Brustschmerz-Ambulanz (Angina Pectoris)
Wenn das Herz vorübergehend zu wenig Sauerstoff erhält
Angina Pectoris beschreibt ein plötzlich auftretendes Enge- oder Druckgefühl im Brustkorb. Ursache ist eine vorübergehende Minderdurchblutung des Herzmuskels. Die Beschwerden treten häufig unter Belastung auf und klingen in Ruhe meist wieder ab. Angina Pectoris ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal des Herzens und sollte medizinisch abgeklärt werden.
Was bedeutet Angina Pectoris?
Der Begriff Angina Pectoris stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Brustenge“. Medizinisch bezeichnet er kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein typisches Symptom verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auslöser ist eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Diese Situation entsteht, wenn Angebot und Bedarf an Sauerstoff kurzfristig nicht mehr im Gleichgewicht sind.
Angina-pectoris-Beschwerden treten vergleichsweise häufig auf, insbesondere bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko deutlich. Auch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, entsprechende Symptome zu entwickeln.
Wie entsteht eine Angina Pectoris?
Das Herz ist ein kräftiger Hohlmuskel, der den Körper kontinuierlich mit Blut versorgt. In Ruhe pumpt es pro Minute etwa fünf bis sieben Liter Blut durch den Kreislauf. Steigt die körperliche oder psychische Belastung, erhöht sich die Herzarbeit deutlich.
Damit diese Mehrleistung möglich bleibt, benötigt der Herzmuskel selbst eine ausreichende Versorgung mit sauerstoffreichem Blut. Diese erfolgt über die Herzkranzgefäße, die sogenannten Koronararterien. Sind sie verengt, etwa durch Ablagerungen an den Gefäßwänden, kann der erhöhte Sauerstoffbedarf nicht mehr vollständig gedeckt werden. Es kommt zu einer vorübergehenden Unterversorgung des Herzmuskels, die sich typischerweise als Druck, Enge oder Schmerz im Brustkorb äußert.
Die häufigste Ursache einer Angina Pectoris ist die koronare Herzkrankheit. Dabei führen Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen zu Verengungen, sodass der Herzmuskel zeitweise nicht ausreichend durchblutet wird.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Herzklappenfehler oder angeborene Herzfehler,
- dauerhaft erhöhter Blutdruck,
- Blutarmut (Anämie) mit verminderter Sauerstofftransportkapazität,
- Erkrankungen der Speiseröhre,
- eine Verlagerung von Magenanteilen in den Brustraum (Zwerchfellbruch),
- Magengeschwüre,
- Gallenkoliken,
- Entzündungen der Bauchspeicheldrüse,
- Erkrankungen der Muskeln, Bänder oder Knochen im Bereich von Brustkorb und Schultern,
- Verschleißveränderungen der Halswirbelsäule mit Reizung schmerzleitender Nerven,
- das Tietze-Syndrom mit schmerzhafter Entzündung der Rippenknorpel.
Welche Beschwerden und Symptome können auftreten?
Die Beschwerden bei Angina Pectoris können sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Häufig berichten Betroffene über:
- ein Enge-, Druck- oder Brenngefühl hinter dem Brustbein,
- Schmerzen, die in Arme, Schulter, Hals, Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen können,
- Atemnot, Beklemmung oder ein ausgeprägtes Angstgefühl.
Typischerweise treten die Symptome bei körperlicher Anstrengung, emotionalem Stress, Kälte oder Wind auf. In vielen Fällen klingen sie nach wenigen Minuten in Ruhe oder nach der Einnahme geeigneter Medikamente wieder ab. Art, Intensität und Dauer der Beschwerden hängen unter anderem vom Ausmaß der Durchblutungsstörung und von der jeweiligen Form der Angina Pectoris ab.
Welche Formen der Angina Pectoris gibt es?
Je nach Auslöser, Verlauf und Intensität der Beschwerden werden unterschiedliche Formen der Angina Pectoris unterschieden. Sie helfen dabei, das individuelle Risiko besser einzuschätzen und die Behandlung gezielt auszurichten.
Stabile Angina Pectoris
Die stabile Angina Pectoris äußert sich durch wiederkehrende, meist gleich starke Schmerz- oder Engeepisoden im Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein. Betroffene beschreiben ein Druck- oder Engegefühl, das mit Luftnot oder einem Angstgefühl einhergehen kann. Die Schmerzen können in beide Arme, den Hals, den Unterkiefer, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen.
Typischerweise treten die Beschwerden bei körperlicher Anstrengung, seelischer Belastung, Kälte oder Wind auf. Sie halten meist nur wenige Minuten an und klingen in Ruhe oder nach der Einnahme gefäßerweiternder Medikamente rasch ab.
Nach der Einteilung der Canadian Cardiovascular Society wird die stabile Angina Pectoris in fünf Stadien untergliedert:
- Stadium 0: Keine Beschwerden, auch bei Belastung (stumme Ischämie)
- Stadium 1: Keine Beschwerden bei Alltagsbelastungen, jedoch bei plötzlicher oder länger andauernder Belastung
- Stadium 2: Beschwerden bei stärkerer körperlicher Anstrengung
- Stadium 3: Beschwerden bereits bei leichter körperlicher Belastung
- Stadium 4: Beschwerden in Ruhe oder bei geringster körperlicher Aktivität
Instabile Angina Pectoris
Bei der instabilen Angina Pectoris verändern sich Verlauf und Intensität der Beschwerden. Die Schmerzen treten häufiger, länger anhaltend und zunehmend auch in Ruhe oder bei geringer Belastung auf. Zudem sprechen sie oft verzögert oder unzureichend auf die gewohnten Medikamente an.
Diese Form kann sich aus einer zuvor stabilen Angina Pectoris entwickeln und gilt als akuter medizinischer Notfall, da sie mit einem erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt verbunden ist.
Typische Merkmale sind:
- Auftreten bereits bei geringer Belastung oder in Ruhe,
- mögliche Entwicklung aus einer stabilen Angina Pectoris,
- Zunahme von Dauer und Häufigkeit der Anfälle,
- fehlende oder verzögerte Wirkung der Medikamente,
- vorübergehende Veränderungen im EKG sowie mögliche Auffälligkeiten in Laborwerten.
Atypische Angina Pectoris
Angina-pectoris-Beschwerden können auch unabhängig von körperlicher Belastung auftreten. In diesen Fällen kommt es in Ruhephasen zu vorübergehenden Einengungen der Herzkranzgefäße oder zu anderen funktionellen Veränderungen des Herzens.
Mögliche Auslöser sind:
- eine kurzfristige Anspannung der Gefäßmuskulatur,
- ein ausgeprägter Blutdruckanstieg,
- strukturelle Veränderungen des Herzens,
- Herzklappenfehler.
In der Regel führen Medikamente bei dieser Form rasch zu einer Besserung der Beschwerden.
Wie wird eine Angina Pectoris diagnostiziert?
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Brustschmerzen ist eine sorgfältige ärztliche Abklärung erforderlich. Zu Beginn steht das ausführliche Gespräch, in dem Beschwerden, Vorerkrankungen und mögliche Auslöser erfasst werden.
Je nach Befund kommen weitere Untersuchungen zum Einsatz, zum Beispiel:
- ein Elektrokardiogramm (EKG), gegebenenfalls unter Belastung,
- eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie),
- Blutuntersuchungen,
- bildgebende Verfahren zur Darstellung der Herzkranzgefäße, etwa eine Koronarangiographie.
Wie kann eine Angina Pectoris behandelt werden?
Bei einer stabilen Angina Pectoris lassen sich akute Beschwerden häufig rasch lindern. Dazu wird Nitroglyzerin als Spray oder Kapsel unter der Zunge angewendet. Es erweitert die Blutgefäße und verbessert kurzfristig die Durchblutung des Herzmuskels.
Die instabile Angina Pectoris erfordert eine sofortige medizinische Behandlung. Dabei kommen mehrere Wirkstoffe zum Einsatz, etwa gefäßerweiternde Medikamente, gerinnungshemmende Substanzen, Betablocker oder Schmerzmittel. Zusätzlich kann Sauerstoff verabreicht werden. Je nach Befund können weiterführende Maßnahmen sinnvoll sein, etwa eine Katheterbehandlung mit Gefäßaufdehnung und Stentimplantation oder in bestimmten Fällen eine Bypass-Operation.
Was Sie selbst tun können:
Langfristig spielt die Anpassung der Lebensweise eine zentrale Rolle. Der Verzicht auf Rauchen, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität sowie die konsequente Behandlung begleitender Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes tragen dazu bei, das Risiko für weitere Beschwerden zu senken und die Belastbarkeit des Herzens zu erhalten.
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